Foto: David Aebi

Augusto Giacometti 1877–1947
Stampa II, 1943

Öl auf Leinwand
72 × 95 cm
C 2005.103
Leihgabe der Robert Bosch GmbH, 2005

Anfang der 1940er Jahre verbrachte Augusto Giacometti mehrere Sommer in seinem Heimatdorf Stampa im Bergell. Hier zeichnete er mit Pastellkreide verschiedene Dorfansichten im Stil einer Freilichtmalerei, wie sie vom Impressionismus her bekannt war: das Sujet wird vor Ort festgehalten, eingebettet in ausschnitthafte Landschaften. Die Zeichnungen dienten Giacometti 1943 als Vorlagen für eine Serie von fünf Ölbildern, darunter auch Stampa II. Pastelltöne wie Lavendelblau, Rosa, Hellgelb oder Lindengrün für die Häuser und besonnten Grasmatten erinnern buchstäblich an die Vorlagen, und die kontrastreichen Flecken und kleinen Flächen verweben sich zum bunten Farbenteppich. Das Sujet wird stellenweise verunklart und wirkt nahezu ornamental, dekorativ. Giacometti brachte diese Ästhetik zwar einige Kritik ein, machte ihn aber gleichzeitig zu einem Pionier der modernen Farbmalerei.



Marc Munter